Private Equity und externe Investoren verdrängen das klassische Familien-Sukzessionsmodell. Eine Deloitte-Analyse zeigt den Paradigmenwechsel.
Deloitte hat für seinen Family Business Report eine beispiellose Datenbasis zusammengetragen: Über 200.000 Unternehmen wurden analysiert, mehr als 1.500 Führungskräfte befragt. Das Forschungsergebnis adressiert ein oft übersehenes Phänomen: die zunehmende Dominanz familiengeführter Strukturen in der globalen Wirtschaft. Die Marktposition ist unübersehbar. Auf Basis der Deloitte-Analyse kontrollieren Familienunternehmen weltweit 22 % aller Großkonzerne, konkret mehr als 18.000 Betriebe.
In Europa existieren derzeit über 4.000 solcher Strukturen; die Projektion bis 2030 deutet auf ein Wachstum zu mehr als 4.500 Einheiten hin. Bemerkenswert ist die Umsatzdynamik: Während dieses Segment bereits 19 % der globalen Wirtschaftsleistung generiert, prognostiziert Deloitte für die europäische Region ein Umsatzwachstum von knapp 60 % innerhalb des kommenden Jahrzehnts.
Die Deloitte-Erhebung offenbart ein klares Schwerpunktmuster: 40 % der befragten Familienunternehmen intensivierten ihre Ausgaben für Technologie-Integration in jüngster Zeit. Besonders auffällig ist die Fokussierung auf Artificial Intelligence (AI) als Transformationsinstrument. Die praktische Anwendung erstreckt sich über multiple Funktionsbereiche: Lieferketten-Orchestrierung, digitale Marketing-Ökosysteme, HR-Prozessautomatisierung.
Der ökonomische Anreiz liegt in Effizienzgewinnen und Kostenkompression. Gottfried Spitzer, Partner bei Deloitte Österreich und Leader Deloitte Private, charakterisiert diese Entwicklung: „Neue Technologien eröffnen enorme Chancen für die weltweite Wirtschaft, das haben die Familienunternehmen bereits erkannt."
Das zentrale Erkenntnisfeld der Deloitte-Studie liegt in der Neuordnung von Eigentümerstrukturen. Demografie und Generationenübergänge zwingen etablierte Familienunternehmen zu Neupositionierungen – mit überraschenden Ergebnissen. Mehr als ein Viertel (26 %) der von Deloitte untersuchten Betriebe orientierten sich beim Vermögenstransfer zu Exitstrategien über Private Equity oder Drittparteien. Parallel dazu signalisierte ein Fünftel (19 %) die Absicht, die Governance durch familienexterne Executive-Positionen zu erweitern.
Ein kleineres, aber symbiotisches Segment (12 %) plant eine Kapitalmarktnotierung. Diese Befunde deuten auf einen strukturellen Bruch hin: Die traditionelle Sukzessionsdoktrin – Vermögenskonzentration auf nächste Generationsmitglieder – wird durch Pluralisierungslogiken ersetzt. Spitzer fasst diese Transition ein: „Die Frage der Unternehmensnachfolge beschäftigt derzeit sehr viele Familienunternehmen – und nicht alle setzen dabei ausschließlich auf die eigenen Familienmitglieder."
Familiengeführte Unternehmen akkumulieren laut Deloitte-Einschätzung historisch attestierte Resilienzqualitäten: Langfristorientierung, Beschäftigungskontinuität, Innovationsdynamik. Diese Merkmale positionieren sie als strukturelle Stabilisatoren europäischer Volkswirtschaften: ein Faktor, der bei aktuellen makroökonomischen Volatilitätsmustern erheblich an Gewicht gewinnt.
Die Deloitte-Reihe „Einblicke in Familienunternehmen" präsentiert diesen Bericht als Auftakt einer vierteiligen Serie. Untersuchungsgegenstand sind Familienunternehmen mit Jahresumsätzen über 100 Millionen US-Dollar.





