Münchmeyer Petersen Capital Markets startet mit einer zehnköpfigen Analyst-Crew und ehemaligen Mainfirst-Brokern in Hamburg und Frankfurt. Ziel ist Coverage von 150 Small- und Mid-Caps gegen passive Anlagestrategien.
Münchmeyer Petersen Capital Markets (MPCM) startet diese Woche mit Niederlassungen in Hamburg und Frankfurt. Die von der MPC-Unternehmensgruppe finanzierte Boutique akquirierte das circa zehnköpfige Analyst-Team von M.M. Warburg. Hintergrund: Ein umfassenderer Kapitalmarkt-Deal zwischen beiden Häusern scheiterte 2024 am zu großen Paketumfang, wie "Finanz-Szene" im Juni berichtete.
Ebrahim Attarzadeh, früherer Mainfirst-Bank- und Stifel-Europe-Bank-CEO, führt die neue Einheit. Felix Pröfrock, Ex-Warburg-Kapitalmarktchef, wird Co-Geschäftsführer mit Primärmarkt-Fokus in Aktien und Anleihen. Die Mission: strukturell verschlechterten Kapitalmarktzugang für KMUs korrigieren. Attarzadeh: "Über Jahre ist der Kapitalmarktzugang kleiner und mittlerer Unternehmen durch Regulierung und die wachsende Dominanz passiver Anlagestrategien immer schwieriger geworden. Sichtbarkeit und Kapitalflüsse konzentrieren sich auf die großen Titel, der Mittelstand bleibt unterbewertet und unterfinanziert. Wir treten an, um dies zu ändern."
Das Geschäftsmodell kombiniert Aktien-Research, Multi-Asset-Sales plus Trading sowie ECM/DCM-Beratung. Attarzadeh nutzt Research als "Einfallstor" für Managementdialoge: "Wir wollen kein Research-Anbieter mit Anhängsel sein, sondern verstehen uns als Haus mit einer positiven Reputation im Research-Bereich, das Unternehmen zudem Zugang zu Investoren verschaffen kann."
Ziel: Coverage von 150 Titeln – eine substanzielle Expansion gegenüber dem Warburg-Portfolio. Sales und Trading baut MPCM mit drei Ex-Mainfirst-Kollegen auf, ein vierter folgt. Das Capital-Markets-Team startete mit fünf ECM-Spezialisten von Warburg. Regulatorisch operiert MPCM vorerst unter Haftungsdach. Erster Meilenstein: Wertpapierinstitut-Lizenz. Mittelfristig strebt Attarzadeh eine Vollbanklizenz an.
MPCM konzentriert sich auf Tech, Security & Defense, Infrastruktur inklusive Real Estate sowie Industrials – Segmente, die "die deutsche Wirtschaft abbilden". Finanzdienstleister bleiben nachrangig, bei attraktiven Opportunitäten agiert man laut Attarzadeh sektoragnostisch. Das Differenzierungsmerkmal gegenüber Berenberg, Oddo BHF, Kepler Chevreux, Metzler oder Baader Bank: strikte Small- und Mid-Cap-Fokussierung, digitalisierte Infrastruktur und "Wissen, wie Unternehmer ticken". Zusätzlicher Vorteil: MPC-Netzwerke zu Familienunternehmen, Business-Leadern und Politikern. "Angelsächsische Wettbewerber können dies nicht vorweisen."
MPCM startet in einem Segment, aus dem Hauck Aufhäuser Lampe und Warburg kürzlich austraten. Attarzadehs Diagnose: Legacy-IT-Systeme plus Talent-Rekrutierungs-Schwäche zwangen diese Häuser zum Rückzug. Seine These: MPCM kann ohne diese Altlasten "die Lücke schließen, die im Markt entstanden ist, um den deutschen kapitalmarktorientierten Mittelstand wieder die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die er verdient hat".





