Berufseinsteiger unter Druck: KI schürt Existenzängste

blog main image
November 24, 2025
24.11.2025
2 Minuten Lesezeit

Eine Barmer-Erhebung dokumentiert die wachsende Verunsicherung bei Jugendlichen, während Arbeitsmarktökonomen ein ambivalentes Bild der Transformation zeichnen.

Sorge um Jobperspektiven nimmt zu

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mehr als jeder fünfte Teenager zwischen 14 und 17 Jahren blickt pessimistisch auf seine berufliche Zukunft. Die Barmer Krankenkasse ermittelte in ihrer aktuellen Untersuchung einen Anteil von 22 Prozent besorgter Jugendlicher – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dr. Rüdiger Maas, der als Generationenforscher die Entwicklung beobachtet, diagnostiziert eine Spirale: Je stärker junge Menschen auf KI-Tools angewiesen sind, desto intensiver werden ihre Befürchtungen vor einem technologiegetriebenen Arbeitsmarkt.

Widersprüchliche Signale vom Arbeitsmarkt

Die ETH Zürich liefert mit ihrer KOF-Studie empirische Belege für den Strukturwandel. In technologieaffinen Berufsfeldern steigt die Arbeitslosigkeit messbar. Michael Siegenthaler, der als Arbeitsmarktökonom die Zürcher Forschungsgruppe leitet, registriert selbst bei gut ausgebildeten IT-Absolventen Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. Das Weltwirtschaftsforum zeichnet hingegen ein optimistischeres Szenario: Die Organisation prognostiziert global einen Jobzuwachs von über 80 Prozent durch KI-basierte Geschäftsmodelle.

Handwerk als Gegenpol zur Digitalisierung

Maas rät zu einer differenzierten Bildungsstrategie. Junge Menschen sollten ihre Ausbildung zunächst ohne digitale Hilfsmittel durchlaufen, um später souveräner mit der Technologie umgehen zu können. Gleichzeitig verweist er auf das Handwerk als stabilen Beschäftigungssektor. Das Institut der Deutschen Wirtschaft beziffert den Fachkräftemangel auf über 110.000 fehlende Handwerker bundesweit – eine Lücke, die Automatisierung nicht schließen kann.

Kognitive Folgen der Technologie-Abhängigkeit

Die permanente Verfügbarkeit digitaler Informationsquellen verändert nach Ansicht von Maas die kognitiven Muster. Das Gehirn gewöhne sich daran, Wissen nicht mehr selbst zu speichern. Diese Externalisierung könne zu passivem Verhalten führen und die Selbstbestimmung schwächen – was wiederum die Unsicherheit gegenüber komplexen Arbeitsumgebungen verstärkt.